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Westfalen-Süd / Westfalen-Nord / Ruhrgebiet: Symposium „Traverse“

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Klaus Schröder in einer Schaffenspause.

„Kunst – Begegnung – Dialog“: unter diesem Motto hat in der letzten AugustWoche das landesweit einzigartige Kunstsymposium „Traverse“ in Schmallenberg stattgefunden. Eingeladen zu dieser Premiere waren neun Künstlerinnen und Künstler mit und ohne Behinderung aus ganz Nordrhein-Westfalen, um in einer Woche in einem „Atelier auf Zeit“ Kunstwerke zu schaffen. Unsere Stiftung konnte dieses inklusive Projekt, das aufgrund seines Vorbildcharakters auch vom Land NRW gefördert wurde, dank Ihrer Unterstützung möglich machen. Hier Eindrücke vom Geschehen von Stefan Kuster:

Ich treffe die Künstlergruppe bei einem gemeinsamen Mittagessen in gelöster Stimmung in der Lenne-Werkstatt. An diesem Tag nutzen zwei der beteiligten Klienten des Sozialwerks die Gelegenheit, den anderen ihren jeweiligen Arbeitsplatz in der Werkstatt zu zeigen und so zu erzählen, woran sie arbeiten, wenn sie keine Kunst machen. Dann aber geht es zu den Orten des eigentlichen „Traverse“-Schaffens. Ich starte im offenen Atelier Jugendkunstschule. Drau- ßen flattert eine Fahne des Kunstsymposiums und zeigt mir und weiteren interessierten Besuchern, dass ich richtig bin. Drinnen lasse ich zunächst die kreative Arbeitsatmosphäre in dem lichtdurchfluteten Gebäude auf mich wirken.

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Theodor Bette malt, spielt Gitarre, schreibt Texte – ein kreativer Kopf!

Theodor Bette malt, seit er 15 ist. Der Schmallenberger interessiert sich auch für Fotografie, spielt Gitarre, schreibt Texte – ein offenbar kreativer Kopf. Der 59-Jährige zeigt mir eine Kladde und erzählt: „Ich habe Schriftsetzer gelernt, in Meschede.“ Wie er bei einem Bild anfängt? „Ich male einen Strich, eine Welle, und dann schau ich, was mir noch so alles einfällt.“ Bette hat schon an mehreren Kunst-Workshops teilgenommen. Am Traverse-Symposium schätzt er besonders, dass es die Kreativität fördert: „Ich sehe auch was von anderen Künstlern, ganz unterschiedliche Sachen – das inspiriert mich!“

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Helmut Plötz, Jahrgang 1957

Helmut Plötz, Jahrgang 1957, sitzt Theodor Bette gegenüber. Er begrüßt mich mit der Frage, wann ich geboren bin. Ich antworte wahrheitsgemäß – „Das war ein Freitag“, kommt nach wenigen Sekunden zurück – ich bin baff: es stimmt! Wie kann er das nur so schnell wissen? Hmm, der Mann hat also nicht nur eine Begabung. Plötz arbeitet gerade an einer Art Stoffschuhen: die Sohle ist gebogen, mit einem extremen Neigungswinkel. Vor ihm liegt ein Kunstbuch mit Zeichnungen von Schuhen. Die sind offenbar seine Inspiration für die „Kunst-Schuhe“, die er gerade zusammennäht. Vier sind es schon, aus grauem Stoff. „Wie viele Schuhe sollen es denn werden?“ Keine direkte Antwort, lediglich ein Kopf-Wiegen. Stören wir also nicht den gerade kreativen Prozess und schauen weiter.

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Was das wohl wird? Das kann mir Tina Tonagel jetzt noch nicht genau sagen – ein Kunstwerk „im Werden“ eben!

Draußen im Garten arbeitet Tina Tonagel (42). Sie schneidet gerade eine Hartfaserplatte zurecht. Ein kräftiger Tritt, und das Ausgesägte fungiert ab sofort als Drehelement innerhalb des Kunstwerks „im Werden“. „Ich weiß noch nicht, ob das so bleibt“, sagt die Kölnerin. „Die Metallschienen und Kunststoff-Zahnräder hatte ich noch von einer anderen Aktion.“ Jetzt steht der Lötkolben bereit, mit dem sie die Holz und Metallteile weiter bearbeitet. Die Medienkünstlerin bekennt: „Das Symposium ist schon eine Herausforderung für mich – ich arbeitet sonst eher die Nacht durch. Es ist aber interessant, zusammen zu essen und zu arbeiten.“ Ich weiß, dass die Grundidee des Symposiums ist, dass jeder Künstler an eigenen Werken arbeitet. Ich frage Tina Tonagel aber trotzdem, ob es für sie denkbar wäre, mit einem der anderen Künstler ein gemeinsames Werk zu erschaffen? Sie überlegt kurz und sagt dann: „Möglich … beim ‚Wimmel-Bild‘ von Torsten Aurich könnte ich mir vorstellen mitzuwirken: das eine oder andere Element von mir, vielleicht aus Metall, dort integrieren …“ 9 Künstler. 7 Tage. 1 Ziel: Kunst inklusiv!

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Wimmel-Bild? Das muss ich mir ansehen. Nichts wie rüber zum zweiten Ort des Geschehens, dem nicht weit entfernten Kunsthaus Alte Mühle mit seinem Lenneatelier! Dort baut Susanne Albrecht, die ich selbst aber gerade nicht antreffe, aus Stoffen ein Fossil nach: „Leptostophia schmallenbergensis“, lese ich. Dieses Fossil hatte ein Geologe in den 1930ern im oberen Lennetal im Schiefer gefunden. Ich schaue mich um: Auch hier hat jeder Künstler seinen Platz, und es herrscht ein ganz normaler Umgang miteinander – ob jemand nun einen Behinderung hat oder nicht, das ist hier überhaupt kein Thema. Was das wohl wird? Das kann mir Tina Tonagel jetzt noch nicht genau sagen – ein Kunstwerk „im Werden“ eben! Nun aber sehe ich den Schöpfer der „Wimmelbilder“, für die er inzwischen schon recht bekannt ist: Torsten Aurich (50). Der Winkhausener erzählt: „Ich male, wie ich gerne möchte und Zeit habe. Bei meinen kleinen Monumentalwerken arbeite ich von vorne nach hinten – und ich bin auf jedem Bild selbst drauf!“ Er deutet auf das entstehende Werk, das die Schmallenberger Woche zeigt: „Hier habe ich die alte Stadtmauer wiederauferstehen lassen. Hier vorne ist die Kunstausstellung und die Festgemeinde.“ Wie ihm das Symposium gefalle? „Gut, das ist Balsam für die Künstlerseele!“ Von klein auf male er schon und berichtet: „Ein Bild hätte ich schon verkaufen können – aber das habe ich verschenkt, weil es ein Kunstfan war.“ Ob er einen Plan für seine Bilder habe, nach dem er vorgeht, frage ich ihn: „Nein, das kommt automatisch, das kann ich nicht planen.“

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Gabriele Schulz bearbeitet Schiefer.

Draußen treffe ich auf Gabriele Schulz (70). Die bekannte Schmallenberger Künstlerin sagt: „Ich arbeite gerne mit Materialien aus meiner Umgebung: Stein, Zellulose, Reisig.“ Hier beim Symposium ist es Schiefer: „Es hat interessante Einschlüsse und eine strenge Form, etwas ganz Archaisches.“ Zum Symposium meint sie: „Die Idee finde ich super.“ Alleine die Arbeiten präsentiert zu sehen, erfülle die Teilnehmenden mit Stolz. „Die Kommunikation mit KünstlerKollegen hat sicher einen positiven Effekt. Manch einer erfährt hier Wertschätzung, die vielleicht an der einen oder anderen Stelle bisher fehlte.“ Alle können bei ihr sehen, dass Kunst auch harte, körperliche Arbeit sein kann – das merke nicht nur ich beim Gewichtstest der zu bearbeitenden Steine. Ihr Resümee: „Jeder kann sein Ding durchziehen, es ist ein gelungenes Projekt.“ Klaus Schröder (54) aus Borken schaut auf das noch unfertige Werk und gibt mir einen Einblick in der kreativen Schaffensprozess: „Eine Nacht drüber schlafen und nichts übers Knie brechen, dann weiß ich, was draus werden soll – oder ich tausche mich mit meinen Mitstreitern aus!“ – Mein Traverse-Tag allerdings geht jetzt zu Ende, so dass ich das Ergebnis – auch der beiden weiteren beteiligten Künstler Andreas Hetfeld und Arlind Lleshaj – vorerst leider noch nicht ansehen kann. Und ich denke zum Abschied mit Blick auf die Worte von Klaus Schröder: Ja, Kunst kann tatsächlich Brücken bauen – „Traversen“ eben!

Liebe Leserin, lieber Leser, bitte lassen Sie uns gemeinsam weitere künstlerische „Traversen“, Verbindungen, Brücken bauen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung, um Inklusion auch in diesem Bereich zu leben, zu unterstützen. Gerne wollen wir weitere Kunst-Aktionen möglich machen. Hier Beispiele, was wir mit Ihrer Hilfe beim Symposium „Traverse“ konkret finanzieren können:

  • Übernachtungskosten je Künstler/ Nacht: 30 Euro
  • Vernissagekosten: insgesamt 300 Euro
  • Materialien für Kunstwerke: insgesamt 3.000 Euro

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