Schriftgröße anpassen:  
    Verlinkungen hervorheben:  A
Logo Stiftung Sozialwerk St. Georg

Gefiederte Freunde im sozialen Einsatz

Stiftung Sozialwerk St. Georg unterstützt die „Pädagogische  Arbeit mit Hühnern“ im Wohnverbund Wittgenstein

Henrike, Alma, Henriette, Biene, Mathilde und Frieda haben das große Los gezogen. Die sechs Damen leben seit November auf dem gemeinsamen Außengelände des Hauses am Schloßberg und des Hauses Kohlstaedt. Neben der 2 m x 1,50 m großen Hütte steht den bunt gefiederten Bewohnerinnen ein Außengehege mit einem Durchmesser von rund 6 m zur Verfügung. „Jeder, der uns besucht, schüttelt den Kopf über den Palast, den wir unseren sechs schwedischen Blumenhühnern hier bereitet haben“, erklärt Hannah Schulz schmunzelnd. Die Persönliche Assistentin hatte die Idee zu dem Projekt „Pädagogische Arbeit mit Hühnern“ und ist für die Umsetzung verantwortlich.

„Die Unterkunft fertigzustellen war ein echter Kraftakt“, berichtet Schulz. „Ohne die Hilfe von einem Kollegen, der gelernter Schreiner ist, und unserem Hausmeister hätten wir das sicher nicht geschafft.“ Denn obwohl das gebrauchte Hühnerhaus gespendet worden war, mussten noch ein neues Dach installiert und eine Dämmung in die Holzabdeckung eingebaut werden. Gemeinsam mit interessierten Klientinnen und Klienten wurde das Haus zudem von außen und innen neu angestrichen. Und auch beim Außengehege setzte das Projektteam aus Menschen mit und ohne Assistenzbedarf auf die eigene Schaffenskraft. „Es ist für alle Beteiligten eine großartige Erfahrung, dass das Haus- und Gehegeprojekt trotz aller Schwierigkeiten fertiggestellt werden konnte“, betont die Persönliche Assistentin. „Zwischendurch waren wir schon richtig verzweifelt, da es zum Beispiel beim benötigten Holzmaterial große Lieferschwierigkeiten gab und wir einfach nicht weitermachen konnten.“ Zudem sei es stets eine große Herausforderung gewesen, Termine zu finden, an denen gemeinsam an dem Projekt gewerkelt werden konnte. Umso mehr erfreuen sich nun alle Beteiligten an der großzügigen Behausung der sechs Hühnerdamen, die auch die anderen Klientinnen und Klienten der Häuser Kohlstaedt und Am Schloßberg regelmäßig in Begeisterung versetzen.

„Zuvor haben es viele Klientinnen und Klienten vorgezogen, in der Einrichtung zu bleiben, anstatt unser großzügiges Außengehege zur Erholung und Entspannung zu nutzen“, betont Regionalleiter Tino Strackbein. „Seitdem die Hühner in ihre Behausung eingezogen sind, hat sich dies grundlegend geändert.“ Die gefiederten Damen zögen die Menschen regelrecht in ihren Bann. Darüber hinaus hätten sie sich bereits nach kurzer Zeit sehr zutraulich gezeigt und würden ihren Besucherinnen und Besuchern aus der Hand fressen. Alle freuten sich laut Strackbein schon sehr auf den Moment, wenn die derzeit noch sehr jungen Hühner ihr erstes Ei legen. Dies sei voraussichtlich im kommenden Frühjahr soweit. „Es ist eine große Freude, die Hühner zu beobachten“, ergänzt Hannah Schulz. „Man merkt sehr schnell, dass es sich um soziale Tiere handelt, die sich untereinander mal besser und mal schlechter verstehen und auch ihre Zu- und Abneigung deutlich zeigen.“ Darüber hinaus reagierten die Hühner in besonderer Weise auf Stimmungen und menschliche Verhaltensweisen. „Derzeit sind zwei Klientinnen verantwortlich für die Versorgung der Tiere“, berichtet Schulz. „Sie haben bereits gemerkt, dass die Hühner das Verhalten des Menschen spiegeln, der ihr Gehege betritt.“ Um die gefiederten Freunde nicht aufzuregen, würden sie daher versuchen, selbst ruhig zu werden, bevor sie den Stall beträten. Auch wenn sie innerlich aufgeregt seien, schafften sie es zum Wohle der Tiere, besonnen zu reagieren und behutsam mit den Hühnern umzugehen.

Um den Menschen noch weitere Anreize zu geben, vor Ort zu verweilen, will das Projekt-Team im kommenden Frühjahr noch die alte Weihnachtsmarkthütte des Wohnverbundes, in der derzeit Futter und Stroh gelagert wird, umbauen. Diese soll dann als Unterstand mit Sitzgelegenheiten dienen, um allen Tierfreunden die Möglichkeit zu geben, die sechs Hühnerdamen in Ruhe zu beobachten.