
Zusätzliche Förderung unterstützt Kinder im Autismus-Spektrum in der Kita Kleine Knappen
„Wir nehmen jedes Kind so an, wie es ist. Jedes Kind ist ein selbstverständlicher Teil unserer Gemeinschaft.“ Mit diesem Satz beschreibt Thorsten Krause, Leiter der Kita Kleine Knappen in Gelsenkirchen, die Haltung seines Teams. Sie bestimmt den Alltag der Einrichtung – und sie erklärt zugleich, warum die Unterstützung der Stiftung Sozialwerk St. Georg so wichtig ist. Denn sie schafft zusätzliche Zeit für Angebote und Begleitung, die Kindern im Autismus-Spektrum zugutekommen und im regulären Kita-Alltag sonst kaum möglich wären. Mit der Verlängerung der Förderung bis 2027 kann die Kita diesen Weg konsequent weitergehen.
Schon wenige Monate nach der Eröffnung der Kita im August 2022 zeigte sich, dass mehrere Kinder zusätzliche Unterstützung benötigen. Daher stellte die Einrichtung einen Förderantrag bei der Stiftung. Aktuell werden neun Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf in der Kita begleitet, drei von ihnen gehören zum Autismus-Spektrum. Zwei Kinder wurden bereits mit einer Autismus-Diagnose aufgenommen, bei einem weiteren bestätigte sie sich erst während der Betreuungszeit.
Für alle neun Kinder stehen zusätzliche Fachkraftstunden zur Verfügung, um sie im Kita-Alltag zu begleiten. In den ersten Monaten nach der Eröffnung wurde jedoch deutlich, dass insbesondere Kinder mit Autismus von weiteren, gezielten Angeboten profitieren. Die Förderung der Stiftung schafft dafür den nötigen Freiraum: Sie ermöglicht fünf zusätzliche Wochenstunden, in denen eine Mitarbeiterin Zeit hat, auf ihre individuellen Bedürfnisse einzugehen und sie mit kleinen Gruppenangeboten oder persönlicher Begleitung im Kita-Alltag zu unterstützen.
Zeit für individuelle Begleitung
Fünf Stunden in der Woche wirken dabei weit über diesen Zeitraum hinaus. Die zusätzliche Zeit wird genutzt, um in kleinen Gruppen zu arbeiten, Sinneserfahrungen zu ermöglichen, Geschichten zu erzählen oder spielerisch mit Materialien zu arbeiten. Manchmal bedeutet sie aber auch einfach, ein Kind an die Hand zu nehmen, gemeinsam durch die Einrichtung zu gehen oder ihm einen geschützten Rahmen zu geben.
„Es geht gar nicht so sehr darum, dass die Kinder sich in der Gruppe anpassen“, sagt Thorsten Krause. „Es geht darum, dass sie für sich und ihr Leben gut klarkommen und gleichzeitig Teil dieser Gruppe sind.“
Genau das macht die Förderung möglich. Die Kinder nehmen selbstverständlich am Morgenkreis, an den Vorschulangeboten oder am Mittagessen teil und erhalten gleichzeitig die Unterstützung, die sie benötigen. Dabei handelt es sich bewusst nicht um Einzeltherapie, sondern um zusätzliche Begleitung und kleinteilige Gruppenangebote innerhalb des gemeinsamen Kita-Alltags.
Die Wirkung zeigt sich nach den Erfahrungen des Teams auch an den folgenden Tagen. Kinder greifen bekannte Angebote wieder auf, wirken ausgeglichener und finden leichter Orientierung im Tagesablauf. Sie entwickeln eigene Strategien und gewinnen Sicherheit in einer Umgebung, die viele Sinneseindrücke und soziale Situationen bereithält.
Von dieser Entwicklung profitieren nicht nur die Kinder selbst. Auch für ihre Familien bedeutet sie Entlastung, weil ihre Kinder einen Ort erleben, an dem sie selbstverständlich dazugehören. Gleichzeitig profitieren auch die anderen Kinder und das gesamte Team von dieser zusätzlichen Zeit.
„Wenn man ein Merkmal unserer Tageseinrichtung nennen möchte, dann ist es, dass wir im Umgang mit Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf sehr gelassen sind“, sagt Thorsten Krause. „Sie gehören selbstverständlich dazu und werden so angenommen, wie sie sind.“
Damit diese Begleitung nachhaltig gelingt, hat sich auch das Team fachlich kontinuierlich weiterentwickelt. Fortbildungen, praktische Erfahrungen und der regelmäßige Austausch haben das Wissen rund um das Thema Autismus stetig erweitert. Unterstützt wird dies durch die räumliche Nähe zum Autismus-Therapiezentrum, mit dem ein enger fachlicher Austausch möglich ist.
„Mittlerweile kennen sich alle hier in der Kita sehr gut mit Autismus aus“, sagt Thorsten Krause. „Nicht, weil sie Expertinnen oder Experten sind, sondern weil wir uns gemeinsam auf den Weg gemacht haben und jeden Tag dazulernen.“
Während die ersten Kinder inzwischen in die Schule wechseln – eines auf eine Regelschule, ein anderes auf eine Förderschule –, profitieren bereits weitere Kinder und ihre Familien von diesem Angebot. Die Verlängerung der Förderung gibt der Kita die Möglichkeit, diesen Weg weiterzugehen. Mit Zeit, die im Alltag den entscheidenden Unterschied macht.
